Yadorsh

Grammatik: Morphologie (Wortbau)

Yadorsh hat eine ausgiebige Flektion: Verben, Substantive und Adjektive werden eifrigst in alle Richtungen gebeugt, dabei wird auch streng zwischen neutraler, femininer und maskuliner Flektion unterschieden. Im Grunde genommen kann man Wörter aber recht gut in ihre Einzelteile zerlegen und so analysieren, denn es gibt einige Elemente, die immer dasselbe ausdrücken. In Yadorsh funktioniert so ziemlich alles durch das Anhängen von bestimmten Markern, also durch Suffixe. Ob man nun zeigen will, daß ein Hund männlich ist oder ob man zeigen will, daß das Verb Vergangenes beschreibt – man muß nur das entsprechende Suffix ans Wort drankleben, was nach etwas Übung gar nicht so schwierig ist. Schauen wir’s uns einfach mal an.

A: Verben

Die Verben werden durch das Anhängen von Personalendungen und Pluralmarkern sowie Tempusmarkern an den Verbstamm konjugiert.

A.1: Personalendungen

Person Singular Endung Beispiel id - „haben"
1. Person -a ida - ich habe
2. Person -i idi - du hast
3. Person mask. -in idin - er hat
3. Person fem. -an idan - sie hat
3. Person neutr. -en iden - es hat

A.2: Plural

Der Pluralmarker -e wird an die Personalendung angehängt. Daraus ergibt sich:


Person Plural Endung Beispiel id - „haben"
1. Person -a-e idae - wir haben
2. Person -i-e idie - ihr habt
3. Person mask. -in-e idine - sie haben
3. Person fem. -an-e idane - sie haben
3. Person neutr. -en-e idene - sie haben

A.3: Vergangenheit

Zur Bildung der Vergangenheitsform wird vor den Personalendungen und eventuellen Pluralmarkern ein -t an die erste Person (!) des Verbs angehängt – anders ausgedrückt wird zwischen Infinitiv des Verbs und dem Tempusmarker ein a eingefügt. Übersetzen kann man diese Form mit dem Präteritum oder dem Perfekt. Daraus ergibt sich:


Singular Endung Beispiel id - „haben"
1. Person -t-a idata - ich hatte
2. Person -t-i idati - du hattest
3. Person mask. -t-in idatin - er hatte
3. Person fem. -t-an idatan - sie hatte
3. Person neutr. -t-en idaten - es hatte
Plural    
1. Person -t-a-e idatae - wir hatten
2. Person -t-i-e idatie - ihr hattet
3. Person mask. -t-in-e idatine - sie hatten
3. Person fem. -t-an-e idatane - sie hatten
3. Person neutr. -t-en-e idatene - sie hatten

A.4: Ferne Vergangenheit

Yadorsh kennt nur drei Tempora: Präsens, Vergangenheit und die Dinge, die irgendwann vor langer Zeit passiert sind. Die ferne Vergangenheit wird wie die normale Vergangenheit gebildet, nur daß statt des -t ein -k eingeschoben wird. Übersetzen kann man im Märchenstil („Es war einmal...") oder mit Plusquamperfekt oder auch Perfekt.


Singular Endung Beispiel id - „haben"
1. Person -k-a idaka - ich hatte einmal
2. Person -k-i idaki - du hattest einmal
3. Person mask. -k-in idakin - er hatte einmal
3. Person fem. -k-an idakan - sie hatte einmal
3. Person neutr. -k-en idaken - es hatte einmal
Plural    
1. Person -k-a-e idakae - wir hatten einmal
2. Person -k-i-e idakie - ihr hattet einmal
3. Person mask. -k-in-e idakine - sie hatten einmal
3. Person fem. -k-an-e idakane - sie hatten einmal
3. Person neutr. -k-en-e idakene - sie hatten einmal

A.5: Andere Zeiten

Während man sich also in vielen Sprachen mit Ungetümen wie diversen Zukunftsformen oder Konjunktiven herumschlagen muß, reicht es für Yadorsh aus, sich die Endungen sowie die zwei Tempusmarker zu merken. Zukünftiges wird im Yadorsh ganz einfach durch die Präsensform in Verbindung mit einer Zeitangabe ausgedrückt – das kennen wir ja auch: „Ich gehe morgen nach Hause.“ Möglichkeiten, die wir meist mit dem „würdevollen“ Konjunktiv bilden, werden ebenfalls durch Zusätze ausgedrückt: „Ich würde das anders machen.“ wäre auf Yadorsh etwa „Ich mache das meistens/vielleicht anders bei mir.“

A.6: Passiv

Das Passiv zeichnet sich durch veränderte Personalendungen aus, davon abgesehen aber wird mit den Verben genauso verfahren wie im Aktiv, das heißt, die Konjugation verläuft nach demselben Schema.


Person Singular Endung Beispiel dwel „bitten"
1. Person -ay dwelay - ich werde gebeten; dwelaye - wir werden gebeten
2. Person -iy dweliy - du wirst gebeten; dweltiye - ihr wurdet gebeten
3. Person mask. -ir dwelir - er wird gebeten; dwelire - sie werden gebeten
3. Person fem -ar dwelar - sie wird gebeten; dwelkare - sie wurden mal gebeten
3. Person neutr. -er dweler - es wird gebeten; dweltere - sie wurden gebeten

A.7: Imperativ

Auch der Imperativ -n- wird angehängt, und zwar zwischen Infinitiv und Flektionsendungen.


Person Singular Endung Beispiel wlan „laufen"
1. Person   kein Imperativ vorhanden
2. Person -n-i wlanni - lauf; wlannie! - lauft!
3. Person mask. -n-in wlannin - er soll laufen; wlannine - sie sollen laufen
3. Person fem. -n-an wlannan - sie soll laufen
3. Person neutr. -n-en wlannen - es soll laufen

Die Reihenfolge der Marker bei Verben lautet immer: Tempus, Modus, Numerus, Person.

A.8: Substantivierung

Viele Verben können zu Substantiven gemacht werden, indem man ein -n an das Verb hängt. Danach folgt das Verb der gewöhnlichen Substantivflektion (s.u.).


B: Substantive

Substantive sind immer erst einmal neutrum (mit einigen Ausnahmen), bis sie näher definiert werden. Auch sind sie zunächst unbestimmt. Es gibt drei Fälle (Kasus). Der Nominativ entspricht weitgehend dem Nominativ (Grundform), der Genitiv dem Genitiv (Besitzanzeige) und der Objektkasus ist der Objektkasus, also unser Dativ oder Akkusativ. Man unterscheidet im Yadorsh zwischen bestimmter und unbestimmter Flektion von Substantiven, das entspricht in etwa dem Unterschied zwischen unseren Artikeln „ein“ und „der“. Wichtig ist zu beachten, daß im Yadorsh auch Eigennamen als Substantive gelten und entsprechend durch den Suffix-Wolf gedreht werden.

B.1: Flektionsendungen (Unbestimmte Flektion)

Die unbestimmte Flektion wird am häufigsten benutzt für alle nicht näher definierten Objekte und auch für die Beugung von Eigennamen. Die Flektionsendungen werden an das Wort angehängt, was ja schon von den Verben bekannt ist. Der Nominativ Singular kennt natürlich keine Flektionsendung, da dies sozusagen der ursprüngliche Zustand des Wortes ist.


Singular Nominativ Genitiv Objektkasus
Maskulin - -ri -id
Feminin - -w -in
Neutrum - -ni -ed

Um den Plural zu bilden, wird wiederum der bekannte Plural, nämlich –e, angehängt, außer leider im Nominativ maskulin und feminin (s.u.) Unbestimmte Wörter sind allerdings fast immer ohnehin im neutrum: Gegenstände sind das ohnehin immer, und bei Lebewesen, die nicht näher bestimmt sind, sagt man auch erst mal sozusagen „es“.


Plural Nominativ Genitiv Objektkasus
Maskulin -i -ri-e -id-e
Feminin -o -w-e -in-e
Neutrum -e -ni-e -ed-e

Als Beispiel wird hier yaldi (Pferd) einmal durch alle Fälle dekliniert:
yaldi (Pferd), yaldiri (eines Hengstes), yaldiid (ein Hengst, einem Hengst)
yaldi (Pferd), yaldiw (einer Stute), yaldiin (eine Stute, einer Stute)
yaldi (Pferd), yaldini (eines Pferdes), yaldied (ein Pferd, einem Pferd)

Im Plural: yaldii (Pferd/Hengste), yaldirie (Hengste), yaldiide (Hengste, Hengsten)
yaldio (Stuten), yaldiwe (Stuten), yaldiine (Stuten)
yaldie (Pferde), yaldinie (Pferde), yaldiede (Pferde, Pferden)

B.2: Bestimmte Flektion

Die bestimmte Flektion wird für alle Gelegenheiten benutzt, wenn eben über einen näher definierten Gegenstand oder ein bekanntes Lebewesen gesprochen wird. Der Marker für die bestimmte Flektion, -al-, wird zwischen das Wort und die Flektionsendung der unbestimmten Flektion eingeschoben (genauso wie die Tempus-Markierung bei den Verben) – auch hier ärgert uns der Nominativ mit eigenen Formen.


Singular Nominativ Genitiv Objektkasus
Maskulin -il -al-ri -al-id
Feminin -ol -al-w -al-in
Neutrum -al -al-ni -al-ed
Plural Nominativ Genitiv Objektkasus
Maskulin -il-e -al-ri-e -al-id-e
Feminin -ole -a-lw-e -al-in-e
Neutrum -ale -al-ni-e -al-ed-e

Auch hier soll yaldi als Beispiel dienen:
yaldiil (der Hengst), yaldialri (des Hengstes), yalidalid (den Hengst, dem Hengst)
yaldiol (die Stute), yaldialw (der Stute), yaldialin (die Stute, der Stute)
yaldial (das Pferd), yaldialni (des Pferdes), yaldialed (das Pferd, dem Pferd)

Im Plural: yaldiile (die Hengste), yaldialrie (der Hengste), yaldialide (die Hengste, den Hengsten)
yaldiole (die Stuten), yaldialwe (der Stuten), yaldialine (die Stuten, den Stuten)
yaldiale (die Pferde), yaldialnie (der Pferde), yaldialede (die Pferde, den Pferden) Im normalen Gespräch werden die Endungen von Wörtern oft ziemlich verschlissen, gerade in Westyador nuschelt man gerne vor sich hin. So klingt das letzte unserer obigen, doch sehr lang aussehenden Beispiele – yaldialede – in Algath eher wie yaldyalde.

B.3: Verbalisierung

Einige Substantive können auch als Verben benutzt werden – dazu werden sie einfach dreist mit Verbalmarkern anstatt Substantivmarkern versehen. So gibt es in Lwgar etwa die Verbform yaldia – Pferd plus 1. Person singular im Präsens – für „ich reite“. Diese Verbalisierungen sind oft ziemlich kreativ und regional äußerst unterschiedlich.


C: Adjektive

C.1 Flektion

Die meisten Adjektive wurden von Verben oder Substantiven abgeleitet und tragen daher in der Regel die Derivationsendungen -(i), -j oder -v. Auch die wenigen anders gebildeten Adjektive enden immer auf Konsonanten und werden nach der unbestimmten Substantivdeklination flektiert, die ja schon bekannt ist:


Singular Nominativ Genitiv Objektkasus
Maskulin - -ri -id
Feminin - -w -in
Neutrum - -ni -ed
Plural      
Maskulin -i -ri-e -id-e
Feminin -o -w-e -in-e
Neutrum -e -ni-e -ed-e

C.2 Komparation

Die Komparation wird mit den Wörtchen sol (Komparativ) und ayl (Superlativ) gebildet. Diese Partikel werden vor das Adjektiv gesetzt und nicht dekliniert. z.B.: sol moav ängstlicher; ayl moav sehr ängstlich, am ängstlichsten yaldi ayl moav (irgend)ein sehr ängstliches Pferd (Nominativ)
yaldalrie sol moavrie der ängstlicheren Hengste (Genitiv)
yaldaline ayl moavine die äußerst ängstlichen Stuten (Objektkasus)

C.3 Nominalisierung und Verbalisierung

Oft werden Adjektive als Substantive oder Verben gebraucht, etwa, wenn von „dem großen Mann“ geredet wird und man hinterher einfach nur noch „der Große“ sagt. Das ist im Yadorsh ebenso möglich: in diesem Fall wird das Adjektiv einfach bestimmt gebeugt (also mit -al- zwischen Adjektiv und Personalendung). Ähnlich sieht es mit verbaler Verwendung aus: eshed (klein) kann Verbal als eshedya (ich verkleinere etwas) benutzt werden. Es wird also ein -y- zwischen Adjektiv und Personalendung eingeschoben. So kann man auch aus indiv (voll) das Verb indivya (füllen) machen. Wie auch bei der Verbalisierung von Substantiven sind die Möglichkeiten hier regional äußerst unterschiedlich.


D: Pronomina

Yadorsh verfügt nicht über Pronomina, wie man sie sich so vorstellt. Wörter wie „sein, mich, sie“ werden ja auch selten gebraucht, da sie in Verben schon mit eingebaut sind. Natürlich muß man aber solche Dinge ausdrücken, wenn es um „meine Familie“ und „deinen Hund“ geht. Dazu nimmt man einfach die Personalendungen, die ja aus der Verbkonjugation bekannt sind, und hängt ihnen entsprechende Substantiv-Kasusmarkierungen an. Noch mal zur Erinnerung:


Personalendungen  
1. Person -a
2. Person -i
3. Person mask. -in
3. Person fem. -an
3. Person neutr. -en
Substantive unbest. Nominativ Genitiv Objektkasus
Maskulin - -ri -id
Feminin - -w -in
Neutrum - -ni -ed
Plural
     
Maskulin -i -ri-e -id-e
Feminin -o -w-e -in-e
Neutrum -e -ni-e -ed-e

  Daraus ergibt sich z.B.: ari – mein (mask.), íin – dir/dich (fem.), inid – ihm/ihn, anw – ihr, enni – sein etc. Für den Plural: Beispiel „unser“: arie (mehrere Männer), awe (mehrere Frauen), anie (gemischte Gruppe oder Menge von Neutra) Das System ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber an und für sich ziemlich logisch und erlaubt die klare Markierung des Geschlechts der Sprecher und der Angesprochenen sowie derer, über die Gesprochen wird.


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